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Traunstein. Homöopathie für Menschen, Tiere und Pflanzen war das Thema der Traunsteiner Homöopathie-Tage. In Vorträgen informierten Heilpraktiker, Ärzte und Homöopathen die mehr als 400 Teilnehmer zwei Tage lang über homöopathische Heilmethoden und deren Vorteile.
„Viele Krankheiten können nachhaltig klassisch homöopathisch gelindert oder geheilt werden“, betonte Organisator Josef-Karl Graspeuntner vom „Qualitätszirkel für klassische Homöopathie“, einem Zusammenschluss von rund 25 klassisch homöopathisch arbeitenden Ärzten und Heilpraktikern aus dem Chiemgau. Mit der Veranstaltung wolle man die Möglichkeiten einer nontoxischen, sicheren, sanften, nicht invasiven Heilmethode aufzeigen und den Weg öffnen für eine Medizin ohne Abhängigkeitspotential. Eröffnet wurden die Homöopathie-Tage durch den Traunsteiner Oberbürgermeister Fritz Stahl.
Menschen mit Lebenserfahrung wüssten, dass naturnahes Behandeln und natürliches Gesundwerden nicht nur Schlagworte seien, sondern in vielen Fällen eine „belebende innere Lebenswirkung“ entfalteten. Es freue ihn deshalb, dass die Homöoptahie-Tage nach 2003 zum zweiten Mal in Traunstein stattfinden. Durch die Teilnehmerbeiträge und Spenden, den Honorarverzicht der Referenten und dank der vielen freiwilligen Helfern kam bei der Veranstaltung ein Reinerlös von über 3000 Euro zusammen kommt. Das Geld wird der Aktion „Homöopathie in Aktion“ gespendet, das auch sozial benachteiligten Menschen wie Kriegsflüchtlingen, allein erziehenden Müttern oder Hartz IV-Empfängern die Chance auf eine homöopathische Behandlung gegeben wird. In Deutschland beteiligen sich daran 180 klassisch homöopathisch arbeitende Ärzte und Heilprak-tiker, davon etwa 20 im Traunsteiner Raum mit dem Projekt „Soziale Homöo-pathie im Chiemgau“.
Die Aktion wurde vor elf Jahren von der Münchner Heilpraktikerin Regina Mössner ins Leben gerufen, die in Traunstein über die Hintergründe des Projekts berichtete. Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Vergewaltigung könnten Men-schen seelisch krank machen. Sie und einige Kollegen wollten etwas dagegen unternehmen. „Wir Homöopathen haben Medikamente, die traumatische Erfahrungen lindern können, aber die Menschen aus diesen armen Ländern wissen oft überhaupt nichts darüber.“ Wilfried Gröbner, Homöopath und Osteopath aus Traunstein, leistete eine umfassende Aufklärung über die Entstehung und Infektionswege der Borreliose, die von Zecken auf den Menschen übertragen wird. In seinem gut recherchierten Vortrag zeigte Gröbner auf, dass der Zeckenbiss alleine nicht die Krankheit auslöst, sondern dafür eine Disposition vorhanden sein muss. Die Disposition liefert auch den Ansatzpunkt für eine homöopathische Behandlung der Krankheit.
Über die Prozesshaftigkeit von Krankheit und Heilung aus Sicht der klassischen Homöopathie referierte Christina Einsiedler, qualifizierte Homöopathin im Traunsteiner Homöopathie-Haus. Der Unterschied zwischen krank und gesund sei oft nur im Lebenskontext des ganzen Menschen zu sehen. Als Homöopath müsse man deshalb entsprechend §3 des Organons der Heilkunst nicht nur Kenntnisse über die Krankheiten und Arzneimittel haben, sondern auch die Lebensumstände und Lebensordnung der Patienten kennen. Als Vertretung für Miklós Takács von der Oberlandklinik Weilheim vermittelte der klassisch homöopathisch arbeitende Heilpraktiker Josef-Karl Graspeuntner, was bei der Behandlung von Männerleiden zu beachten ist. Bei den sehr aggressiv und schnell wachsenden Hodenkarzinomen müsse neben einer umfassenden homöopathischen Anamnese und intensiven homöopathischen Begleitbehandlung oft sofort eine schulmedizinisch-onkologische Behandlung begonnen werden. Prostatatumore könnten hingegen schon sehr früh über den PSA-Wert im Blut erkannt werden (Prostata spezifische Antikörper). Eine histologische Untersuchung sei unbedingt erforderlich, wenn der PSA-Wert nicht innerhalb von zwei bis drei Monaten mit der homöopathischen Therapie gesenkt werden könne. Operative Eingriffe müssten mikro-invasiv erfolgen, damit möglichst wenig Nerven verletzt werden, was Impotenz und Inkontinenz zur Folge haben könne. Dr. med. Anja Engelsing, Gynäkologin aus Dettendorf, riet bei der Behandlung von Frauenleiden nachdrücklich zur Homöopathie anstatt einer Hormonbehandlung. Hormonell bedingte Probleme in den Wechseljahren, aber auch das praemenstruelle Syndrom seien der klassischen Homöopathie sehr gut zugänglich. Über ein Thema, das mit Homöopathie auf den ersten Blick nichts zu tun hat, referierte Dr. med. Irene Richter-Heinze, Fachärztin für plastische Chirurgie aus München. Bei der Nachbehandlung von Patienten aus Schönheitsoperationen wolle sie nicht mehr ohne Homöopathie arbeiten: Eine Heilung, die früher drei Wochen gedauert habe, dauere jetzt zehn Tage. Mit den „Möglichkeiten der Lebenskraft“ beschäftigte sich die Heilpraktikerin Johanna Hetzner aus Traunstein. Unter dem Elektronenmikroskop könne man beobachten, wie sich die Struktur von Wasser in verschiedenen Gemütszuständen verändert. Auf diesem Prinzip aufbauend vermuten Wissenschaftler (Emoto) eine Kraft, die nicht nur durch äußere Einflüsse wie Mobilfunkstrahlen, Hitze, Kälte und andere Faktoren beeinflussbar ist, sondern auch durch Gefühle und Gedanken. Diese (Lebens-)Kraft, hinter dem Kohlenstoffbestandteilen der Körperzellen sei der Ansatzpunkt für die potenzierte, homöopathisch gewählte Arzneigabe.
Dass für eine erfolgreiche Behandlung von Migräne eine genaue Anamnese und die Offenheit der Patienten entscheidend sind, legte der Heilpraktiker Andreas Wörfel aus Inzell dar. Josef-Karl Graspeuntner plädierte für den verstärkten Einsatz von Homöopathie bei der Behandlung von Kindern, denn nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen seien mindestens 50 Prozent der Medikamente, die in der Kinderheilkunde eingesetzt werden, nicht genügend auf Nebenwirkungen und Spätfolgen für die Säuglinge und Kinder getestet. Die klassische Homöopathie arbeite hingegen ausschließlich mit Einzelmittelgaben, die nicht nur sehr gut geprüft, sondern seit über 250 Jahre sanft, sicher und bewährt seien. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass bei Kindern sogar in der Intensiv- und Unfallmedizin gute Ergebnisse erzielt werden könnten. Eine nontoxische Medizin wie die Homöopathie hat somit viele entscheidende Vorteile für die Gesundheitsentwicklung der Kinder und zukünfigen Generation.
Wie wichtig nicht nur eine gesunde Ernährung ist, sondern auch die richtige Essweise, demonstrierte Jürgen Schilling, der Autor des Bestsellers „Kau Dich gesund“. Seine Technik des genussvollen Kauens bezeichnet er als „Schmauen“ (Schmecken und Kauen). Dabei wird jeder Bissen lange im Mund gelassen und der Speichel mit den gelösten Nährstoffen und Geschmack geschluckt. Diese Technik wirke sich positiv auf das Gewicht und den Zuckerhaushalt aus und könne so auch Diabetikern helfen. Das „Schmauen“ konnten die Teilnehmer während der Vorträge ausprobieren. Bewirtet wurden sie von Gisela Bliem aus der Kochschule „Bliem‘s Genussreich“ in Thalgau bei Salzburg. Der Renner bei den Homöopathie-Tagen waren ihre vegetarischen „Würstchenmodelle“ die aus Kohlrabi und Möhren geformt wurden - natürlich aus biologischem Anbau. Neben Genüssen für den Gaumen gab es auch etwas für die Ohren: Das Duo „As time goes by“ gab am Sonntag für die Teilnehmer ein kostenloses Matinée unter dem Motto „Die Seele baumeln lassen...mit Musik“. „Gesund oder krank durch Strahlen“ war das Thema des Vortrags von Alexander Jäger, der anhand von Krankheitsberichten über die Risiken von schnurlosen DECT-Telefonen informierte.
Der menschliche Körper könne Strahlung fühlen, selbst wenn physikalisch keine Wirkung nachzuweisen sei, sagte Jäger. Mehrere Vorträge beschäftigten sich mit Homöopathie für Nutz- und Haustiere. Eine Vorreiterin auf diesem Gebiet ist Birgit Gnadl, Tierheilpraktikerin aus Übersee am Chiemsee. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsamt Traunstein hat sie 1997 den ersten Arbeitskreis für Homöopathie im Stall gegründet. Mittlerweile ist Homöopathie in über 700 bayerischen Milchvieh- und Tierzuchtbetrieben die bevorzugte Behandlungsform geworden. Antibiotika und ihre Rückstände im Grundwasser und im Fleisch werden dadurch vermieden. Da auch die Europäische Union an einer Alternative zu Antibiotika in der Tierzucht interessiert ist, könnte der Homöopathie für Rinder, Schweine und Geflügel eine große Zukunft bevorstehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass homöopathische Mittel im Stall nicht nur sicher und nontoxisch wirken, sondern auch relativ leicht zu handhaben sind. Das führte die Tierheilpraktikerin Angela Lamminger in ihrem Vortrag aus. Ihre Kollegin Claudia Lahr referierte über den geistigen Bezug zu den Tieren: Wenn Tierhalter ihre Tiere liebevoll behandeln, seien diese auch gesünder. Wie Notfälle bei Hund und Katze mit homöopathischen Mitteln behandelt werden können, erklärte die Tierheilpraktikerin Astrid Förg-Gnadl. Ihr kleines Notfall-ABC reichte von A wie Aconit (zur Schockbehandlung) bis Z wie Zincum-metallicum (bei Amnesie). Neben Menschen und Tieren können auch Pflanzen von der Homöopathie profitieren. Das wurde im Vortrag von Martin Altendorfer von der Gärtnerei Ziegler in Aufham deutlich. Dort wird mit homöopathischen Düngemitteln und Mikroorganismen gearbeitet - aber auch mit Fenchel- und Knoblauchwasser, das über die Pflanzen gestäubt wird. Das blühende Ergebnis kann man unter anderem in den Fußgängerzonen von Bad Reichenhall und im Bauernmuseum in Bairisch Gmain bewundern.
Mit dem Besuch der Homöopathie-Tage war Organisator Josef-Karl Graspeuntner ebenso zufrieden wie mit der Qualität der Vorträge. Mit der Veranstaltung sei es gelungen, die Vorteile der Homöopathie einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Sein Ziel sei es, dass die wissenschaftlichen Seiten der Homöopathie bald auch an den Gymnasien und Realschulen in den Fächern Biologie und Physik unterrichtet werden, um sie später auch an einer Fachhochschule für Homöopathie oder an speziell dafür eingerichteten Universitäten studieren und erlernen zu können. „Die Homöopathie ist eine Therapie, die so wertvolle Vorteile in der Behandlung von Menschen Tieren und Pflanzen bietet, dass sie niemanden vorenthalten werden darf.“
Frau Nortrud Semmler vom Bayrischen Rundfunk im Gespräch mit
den klassisch homöopathisch arbeitenden Heilpraktikerinnen
Regina Mössner und Barbara Horn.

Zwischen 80 und 180 Teilnehmer pro Vortrag interessierten sich
für die Vorteile von homöopathischen Behandlungsmethoden.

Der Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Traunstein, Fritz Stahl,
und Organisator Josef-Karl Graspeuntner hören gespannt dem Vortrag über Borreliose zu. |